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Zwischen Trap, TikTok und Abwanderung: Was die serbische Jugend wirklich will

Was junge Menschen in Serbien zwischen 16 und 22 Jahren umtreibt

Die Stimmung unter den Jugendlichen in Serbien ist ambivalent: Einerseits gibt es viel Unzufriedenheit mit dem täglichen Leben und der Politik, andererseits genießen sie intensives Sozialleben, Musik und den klaren Wunsch nach Veränderung. Die wichtigsten Erkenntnisse stammen aus den regelmäßigen Erhebungen der Jugendorganisation KOMS und aus aktuellen Medienbeobachtungen.

Was ihnen gefällt

Musik

Trap und Trap-Folk stehen ganz oben. Künstler wie Voyage, Nucci, Devito und Tea Tairović laufen besonders gut. Die Playlists sind meist gemischt aus Trap, Folk und internationalen Tracks. Manche greifen auch auf ältere Folk-Stücke zurück, weil sie authentischer wirken. Während Protesten entstehen eigene Soundtracks und virale Hits.

Social Media

Instagram und TikTok dominieren klar. YouTube dient der Unterhaltung und dem Lernen. Influencer – lokal wie international – prägen stark Mode, Lifestyle und Meinungen.

Sport und Freizeit

Fußball (Partizan und Roter Stern) sowie Basketball (Nikola Jokić, Streetball auf den „Kavezi“) sind zentral und identitätsstiftend. Abends treffen sie sich in Cafés, Kafanas, auf Partys und in Clubs, vor allem in Belgrad. Festivals wie EXIT sind beliebt. Familie, Freunde, gemeinsames Grillen und Zusammensein spielen eine große Rolle.

Werte und Alltag

Viele unterstützen die Studentenproteste gegen Korruption und für bessere Institutionen. Familie und soziale Bindungen sind wichtig. Die Meinungen zu traditionellen Werten sind gemischt – manche sind eher konservativ, andere wünschen sich ein europäischeres Leben. Gaming, KI-Tools und „benger“-Songs gehören zum Alltag.

Was sie stört oder ablehnen

Die größten Probleme laut den neuesten KOMS-Daten:

  1. Hohe Lebenshaltungskosten – Rund 73 bis 83 Prozent nennen das als größtes Problem. Wohnen ist teuer, eine eigene Wohnung oft unrealistisch, viele bleiben länger bei den Eltern.
  2. Korruption, fehlende Demokratie und Gerechtigkeit – Sehr hoch bewertet. Viele fühlen sich ohnmächtig, Wahlen gelten als unfair, Jobs laufen oft über Beziehungen statt über Qualifikation.
  3. Probleme in Bildung, Gesundheit, Umwelt und Arbeitsbedingungen – Viele studieren und arbeiten parallel. Jobs passen oft nicht zur Ausbildung. Arbeitsrechte sind wichtig.
  4. Psychische Gesundheit – Hohe Werte bei Angst und Stress. Hilfe ist oft teuer oder schwer zugänglich.
  5. Abwanderung – Fast die Hälfte plant oder erwägt den Wegzug, meist nach Westeuropa, wegen besserem Lebensstandard. Gleichzeitig wollen viele bleiben und das Land verändern.

Weitere Reizthemen sind digitale Gewalt (besonders gegen Mädchen), toxische Dating-Kultur (zum Beispiel „Weekend Lover“-Trends auf TikTok), Misogynie-Einflüsse in Teilen der männlichen Szene und das Gefühl, dass das System die Jugend nicht ernst nimmt.

Zusammenfassung

Die Jugend ist digital, musikaffin, sportbegeistert und sozial vernetzt. Gleichzeitig ist sie politisch aufmerksamer geworden – mit starker Unterstützung für Studentenproteste – und frustriert über Geld, Korruption und fehlende Perspektiven. Sie ist gespalten zwischen „hier bleiben und kämpfen“ und „ab nach Europa“.

 

 

 

 

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